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Rundgang durch den Ortskern
Der
ursprüngliche Ortskern ist eine straßendorfartige
Siedlung auf einem Höhenrücken zwischen der Aue und
dem See, die sich entlang der alten Heer- und Handelsstraße
nach Magdeburg zog. Die Siedlung entstand in Anlehnung an den
befestigten Wohnsitz einer adligen Familie, der Ritter von Bodendike,
spätestens im 12. Jahrhundert.
Die Burg Bodenteich, die einzige- wenn auch nur teilweise -
noch erhaltene Burg im Landkreis Uelzen, war vom 14. bis zum
19. Jahrhundert im Besitz des Landesherrn. Von hier aus wurde
das große Amt Bodenteich verwaltet, das im 17 Jh. zwei
Drittel des heutigen Landkreises umfasste.
Durch seine Bedeutung als Verwaltungsmittelpunkt erlangte Bodenteich
als Marktflecken eine Zwischenstellung zwischen Dorf und Stadt.
Südlich der Einmündung der Burgstraße wird der
Straßenraum zu einem kleinen Marktplatz erweitert. Dort
wurde zweimal im Jahr ein Jahrmarkt abgehalten.1808 zerstörte
ein Großfeuer 53 von 67 Wohngebäuden. Deshalb stammen
die ältesten Gebäude meist aus der Zeit nach dem Brand.
1.
Burg Bodenteich mit dem noch erhaltenen Amtshaus aus dem 14.
/15. Jh. (einschl. Fachwerkflügel aus dem 17. /18. Jh.
), dem jetzt noch 8, 50 m hohen Rest des alten Bergfriedes (14.
/15. Jh.) mit einer Aussichtsplattform und dem 1993 rekonstruierten
Backhaus. Im Keller unter dem Fachwerkteil befinden sich die
Grundmauern eines alten Feldsteinturms aus dem 13. Jh., in dem
Tonscherben gefunden wurden, die von einer über 1000jährigen
Besiedlung zeugen. Noch zu sehen sind die Grundmauern des alten
Brauhauses aus dem Jahr 1726.
Seit der Restaurierung von 1983-88 befindet sich hier die Kurverwaltung,
das Kleine Burgmuseum, Leseraum mit Bücherei und der Rittersaal
für Konzerte u. a. Veranstaltungen.
2.
St. Petri-Kirche entstand 1833 - 1836 in klassizistischer Bauweise,
der 52 m hohe Kirchturm mit seiner charakteristischen barocken
Haube wurde erst 1894/95 gebaut. Das von 22 dorischen Säulen
getragene kassettierte Tonnengewölbe im Inneren der Saalkirche
ist ebenfalls sehenswert.
3.
Hauptstraße 12 (früher Bodenteicher Hof) gehörte
zu den einstmals fünf herrschaftlichen Krügen
(Gastwirtschaften) in Bodenteich (1740 erstmals erwähnt)
4.
Rathaus (Hauptstraße 23), 1906 als Gasthaus Niedersachsen
nach einem Brand erbaut. Seit 1952 befindet sich hier der Sitz
der Bodenteicher Verwaltung.
5.
Gasthaus zur alten Post, Hauptstraße 24, gehörte
schon im 17. Jahrhundert zu den herrschaftlichen Krügen.
Von 1862 bis 1878 befand sich hier die Bodenteicher Postdienststelle.
6. Friedhof mit neuer (1985) und alter Friedhofskapelle (1958).
Zwei Anlagen zu Ehren von 36 deutschen und 28 ausländischen
Kriegsopfern, die überwiegend durch die Explosionskatastrophe
am 25. 3. 1945 ums Leben kamen.
Der Friedhof befindet sich auf dem Leinenberg, ein Hinweis auf
das hier im 19. Jh. hier weit verbreitete Leineweberhandwerk,
das in seiner Gilde bis zu 13 Meister vereinigte.
7.
Seepark entstand 1968 - 1974 aus der Erweiterung des alten Mühlenteichs.
Die drei miteinander verbundenen Seen werden von der Aue (Ilmenau)
durchflossen wird. (weitläufige Parkanlagen, Kiosk, Minigolf,
Bootsverleih, Wassertretbecken u. a.)
8.
Bergstraße 3, ein seit dem 19. Jh. nur wenig verändertes
Fachwerkhaus in gutem Erhaltungszustand.
9.
Bahnhofstraße mit Bahnhof (1950) und Gasthaus am Bahnhof
(1959) entstand nach der Eröffnung der Bahnlinie Uelzen-Braunschweig
(1900). Starke Zerstörungen durch die Explosionskatastrophe
vom 25. 3. 1945 (u. a. Bahnhof und Gasthaus).
Unter den eingeschossigen Ziegelbauten in der Bahnhofstraße
fällt Haus Nr. 12 wegen seiner reichhaltigen Stuckornamentierung
auf
10.
Schützenstraße 1, alte Bodenteicher Molkerei von
1891 bis 1965 (jetzt DRK-Rettungswache).
11.
Schützenstraße 3, schöner villenartiger Putzbau
mit aufwendig gegliederter Fassade (1894)
12.
Neuapostolische Kirche im Kleifeld, erbaut 1986 (?)
13.
Kriegerdenkmal (Ecke Häcklinger Straße/ Straße
Am Waldbad): Hier sind die Namen von 178 Gefallenen und Kriegsopfern
aus vier Kriegen (1866, 1870/71, 1. und 2. Weltkrieg) verzeichnet.
14.
Alter Jüdischer Friedhof, (im Wald gegenüber der katholischen
Kirche am Waldweg) mit Gräbern aus dem 19. Jh. (vgl. Erläuterungstafel)
15.
Katholische St. Bonifatius - Kirche, Ecke Waldweg/Lübbeckenkamp,
eine modern ausgestaltete Einraumkirche, die 1961 geweiht wurde.
Am
Waldweg befand sich von 1933 - 1939 ein Arbeitsdienstlager.
16.
Neustädter Straße ist die Fortsetzung der Hauptstraße
in Richtung Süden und entstand als Ortserweiterung mit
hauptsächlich eingeschossigen Ziegelstein- und Fachwerkbauten
nach dem großen Brand von 1808. Sehenswert sind die Fachwerkhäuser
Nr. 26 (1828) und Nr. 22 (1832) sowie als zweigeschossiger Ziegelbau
mit gegliederten Fassade das Wohnhaus Nr. 20 (1901).
17.
Hotel Bodendiker, Neustädter Str. 19, wurde 1835 erbaut
und 1988 grundlegend renoviert.
18.
Neustädter Straße 13 als eines der ersten Häuser
nach dem Brand für den 2. Beamten des Amtes Bodenteich
(Amtsschreiber) in Fachwerkbauweise errichtet.
19. Restaurant Niedersachsenhof, Neustädter Str. 3, wurde
als zweigeschossiger Ziegelbau mit gegliederter Fassade 1850
erbaut.
20.
Hotel Braunschweiger Hof, Neustädter Str. 2, war schon
im 17. Jh.(1668) einer der fünf Bodenteicher Krüge;
der Kern des jetzigen Gebäudes wurde 1798 erbaut und überstand
als eines von wenigen Gebäuden den großen Brand 1808
unversehrt.(Erweiterungen 1975 und 1989)
21.
Gasthaus zum Mühlenteich, Hauptstraße 4, nach dem
Brand von 1808 wieder aufgebaut, gehörte zu den fünf
alten herrschaftlichen Krügen Bodenteich.
22.
Alte Wassermühle, Hauptstraße 3, schon 1330 erstmals
erwähnt, stand am Übergang über die Aue und wurde
1966 stillgelegt. Vom Wanderweg zwischen Hauptstraße und
Burg durch den Knick ist noch heute der Stumpf zu sehen, an
dem das alte Mühlrad saß.
Von 1875 - 1975 gab es am Ortsausgang nach Langenbrügge
auf dem Galgenberg auch eine Windmühle.
23.
ehem. Gasthaus Lions Pub, Hauptstr. 6, war auch einer der alten
Bodenteicher Krüge (erste Erwähnung 1723).
24.
Im Winkel 2, früheres Burglehen der Familie von Appel,
von 1704 - 1808 Haus des Amtsschreibers.
Außerhalb
des Ortskerns
I.
Seewiesen - schönes weitläufiges Wiesengelände
östlich der Bodenteicher Burg dort, wo sich bis Anfang
des 19. Jahrhunderts der etwa 3 km lange und bis zu 1, 5 km
breite Bodenteicher See erstreckte; ab 1815 bis ins 20. Jh.
trockengelegt (Pumpwerk 1959).
Das Gebiet der Seewiesen, wo man noch ungestört viele seltene
Vögel beobachten kann, enthält auch die größte
botanische Sehenswürdigkeit des Kreises Uelzen: das Naturschutzgebiet
"Zwergbirkenmoor" zwischen Abbendorf und Schafwedel,
wo die sonst nur in arktischen Tundren oder im Hochgebirge heimische
Zwergbirke zu sehen ist. Sehenswert ist auch der große
Teich, der zwischen Schostorf und Schafwedel über einer
ehemaligen Bohrstelle angelegt wurde.
II.
Elbeseitenkanal - Durch den Bau des Elbeseitenkanals in der
Zeit von 1968 bis 1974 (53 m breit und 4 m tief) wurde Bodenteich
in zwei Teile getrennt, die durch zwei Straßen- und eine
Fußgängerbrücke miteinander verbunden bleiben.
Die ......... km lange Wasserstraße verbindet den Mittellandkanal
bei Braunschweig mit der Elbe bei Artlenburg. Der Höhenunterschied
von .......m wird durch die Schleuse bei Esterholz (10 km nördlich
von Bodenteich) und das Schiffshebewerk bei Scharnebeck (nordöstlich
von Lüneburg überwunden. 1976 wurde der Kanal eröffnet,
musste aber wenig später nach einem Dammbruch südlich
von Lüneburg für mehr als ein Jahr wieder geschlossen
werden .
III.
Ortsteil Bodenteich-Heide (westlich des Elbeseitenkanals): Hier
war geschützt in den Wäldern zwischen 1938 und 1941
eine Heeresmunitionsanstalt (Muna) entstanden, in der Munition
verschiedener Kaliber abgefüllt wurde. Nach dem 2. Weltkrieg
wurde das Gelände von den englischen Besatzungstruppen
enttarnt, d. h. der Wald wurde abgeholzt, die Fabrikanlagen
demontiert oder gesprengt.
Auf dem Muna - Gelände entstanden nach 1948 zunächst
ein Flüchtlingslager, dann verschiedene Industriebetriebe
und seit 1951 bzw. 1957 siedelte sich der Bundesgrenzschutz
in Bodenteich an, der inzwischen der größte Arbeitgeber
am Ort ist. 1975 erfolgte die Umwandlung zur Ausbildungsabteilung.
IV.
Ehemalige Grenze zur DDR: 6 km östlich von Bodenteich befand
sich seit dem Kriegsende die Grenze zwischen der britischen
und der sowjetischen Besatzungsgrenze, deren genauer Verlauf
zwischen Schafwedel und Schmölau bei einem Trinkgelage
festgelegt wurde ("Whisky-Wodka-Grenze").
Nach der Gründung der DDR 1949 wurde diese Grenze immer
mehr zu einem unüberwindlichen Grenzwall mit Todesstreifen,
Selbstschussanlagen und Wachtürmen ausgebaut. Das verlorene
Hinterland in der Altmark jenseits der DDR-Grenze beeinträchtigte
die wirtschaftliche Entwicklung Bodenteichs nach 1945. Am 25.
November 1989 wurde nach der Wende in der DDR der Grenzübergang
zwischen Schafwedel und Schmölau wieder geöffnet.
Heute ist von der Grenze
zwischen den beiden Teilen Deutschlands im Landschaftsbild nur
noch wenig zu sehen. |